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Wer an Lübeck denkt, hat sofort den Duft von Mandeln und Zucker in der Nase. Doch die kulinarische Identität der Hansestadt ist so vielschichtig wie ihre Architektur. Geprägt durch den jahrhundertelangen Fernhandel der Hanse, finden Sie hier Spezialitäten, die französische Weinkultur mit norddeutscher Bodenständigkeit verbinden. Ob süßes Welterbe, edle Tropfen aus Übersee oder fangfrischer Fisch direkt vom Kutter – wir zeigen Ihnen, welche Gaumenfreuden Sie bei Ihrem Besuch in Lübeck unbedingt probieren müssen.
Lübecker Marzipan ist weltweit ein Begriff und seit 1996 als „geschützte geografische Angabe“ zertifiziert. Der Unterschied zu herkömmlichem Marzipan liegt im Mischungsverhältnis: Echtes Lübecker Marzipan besteht aus mindestens 70 % Marzipanrohmasse und maximal 30 % zugesetztem Zucker. Dieser hohe Mandelanteil sorgt für das unverwechselbare, feinherbe Aroma, das Naschkatzen aus aller Welt anlockt.
Das Stammhaus von Niederegger gegenüber dem Rathaus ist der Pilgerort für Marzipan-Liebhaber. Im zweiten Stock können Sie im kostenlosen Marzipan-Museum lebensgroße Figuren aus der süßen Masse bestaunen. Im Erdgeschoss finden Sie alles, was das Herz begehrt – von den klassischen Schwarzbrot-Variationen bis hin zu modernen Kreationen wie Marzipan-Gin oder Marzipan-Tee. Ein Besuch im Café im ersten Stock bei einer Portion Marzipantorte ist ein absolutes Muss für jeden Lübeck-Besucher.
Neben dem großen Namen Niederegger gibt es in den Gassen der Altstadt weitere Manufakturen, die das Handwerk individuell interpretieren. Anbieter wie die „Marzipan-Speicher“ an der Untertrave oder kleinere Konditoreien setzen auf handgeschöpfte Pralinen und außergewöhnliche Geschmackskombinationen. Hier erleben Sie die Spezialität in einem eher familiären Rahmen und können oft sogar bei der Herstellung zusehen.
Es mag paradox klingen, aber eine der größten Lübecker Spezialitäten ist ein Rotwein aus Bordeaux. Der „Rotspon“ hat eine faszinierende Geschichte: Lübecker Kaufleute brachten im Mittelalter französischen Wein in Fässern in die Hansestadt. Hier stellten sie fest, dass der Wein durch die Lagerung im feucht-kühlen Ostseeklima und die Reifung in lübschen Kellern eine viel weichere und edlere Note entwickelte als in seiner Heimat.
Früher hieß es, der Wein müsse „die Seele des Nordens“ atmen. Durch die Temperaturschwankungen während der Seereise und die spezielle Lagerung in Eichenfässern in den tiefen Backsteinkellern Lübecks reift der Wein nach. Bis heute wird diese Tradition von traditionsreichen Weinhandelshäusern wie Carl Tesdorpf – dem ältesten Weinhandel Deutschlands – gepflegt. Ein Glas Rotspon zu einem kräftigen Abendbrot ist ein tief verwurzeltes Stück Lübecker Lebensart.
Um echten Rotspon zu probieren, müssen Sie kein Weinkenner sein. In fast jedem gut geführten Restaurant der Altstadt steht er auf der Karte. Besonders stimmungsvoll ist die Verkostung in den historischen Weinkontoren oder direkt im Schiffergesellschaft-Restaurant, wo der Wein unter den mächtigen Modellen alter Hansekoggen besonders gut schmeckt.
Eine Hafenstadt ohne Fischspezialitäten wäre undenkbar. In Lübeck und dem zugehörigen Travemünde ist der Weg vom Fang auf den Teller extrem kurz. Ob auf die Hand beim Stadtbummel oder fein zubereitet im Restaurant – der Fisch gehört hier zum Alltag.
Nichts schlägt ein frisches Fischbrötchen direkt an der Kaikante der Untertrave oder an der Strandpromenade in Travemünde. Ob klassischer Bismarckhering, würziger Matjes oder Räucherlachs – die Qualität ist hier unschlagbar. Achten Sie auf die kleinen Fischkutter in Travemünde, die ihren Fang oft direkt verkaufen. Authentischer kann man die maritime Kulinarik nicht erleben.
Der Stadtteil Schlutup war einst eines der bedeutendsten Zentren der Fischverarbeitung in Europa. Auch wenn die ganz großen Zeiten vorbei sind, finden Sie dort immer noch traditionelle Räuchereien. Goldgelb geräucherte Sprotten oder zarter Räucheraal sind Spezialitäten, die nach alter Handwerkskunst über Buchenholz veredelt werden und ein wunderbares Mitbringsel für Gourmets sind.
Wer Thomas Manns „Buddenbrooks“ gelesen hat, kennt ihn: den Plettenpudding. Dieses Schicht-Dessert ist fest mit der bürgerlichen Tradition Lübecks verbunden. Er besteht aus abwechselnden Schichten von Makronen, Biskuits, Himbeerkonfitüre und einer feinen Vanillecreme, oft verfeinert mit einem Schuss Sherry.
Den Plettenpudding finden Sie heute vor allem in traditionsreichen Cafés und Restaurants, die sich der Pflege des literarischen Erbes verschrieben haben. Es ist ein mächtiges, aber unglaublich feines Dessert, das Ihnen einen geschmacklichen Einblick in die gehobene lübsche Lebensart des 19. Jahrhunderts gibt. Es ist die perfekte Wahl für einen feierlichen Abschluss eines Menüs.