Ausflüge in die Natur: Lübecks grüne Seele zwischen Fluss und Meer

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Lübeck ist weit mehr als eine historische Altstadtinsel aus Backstein. Wer die Stadttore hinter sich lässt, stellt schnell fest, dass die Hansestadt von einer beeindruckenden Vielfalt an Naturräumen umschlossen ist. Die Region bietet abwechslungsreiche Möglichkeiten für Ausflüge in die Natur, die von Wanderungen in ruhigen Waldgebieten über Kanutouren auf den Flusslandschaften bis hin zu Besuchen an der Ostseeküste reichen. Wir zeigen Ihnen die besten Orte, an denen Sie tief durchatmen und die Natur in ihrer ursprünglichsten Form genießen können.

Inhaltsverzeichnis

Die Wakenitz: Naturraum am ehemaligen Grenzfluss

Die Wakenitz stellt einen bedeutenden ökologischen Ausgleichsraum für Lübeck dar. Da der Flusslauf über Jahrzehnte Bestandteil der innerdeutschen Grenze war, blieb die Uferzone weitgehend unberührt und es entwickelte sich eine vielfältige Flora und Fauna. Der dichte Bewuchs und die ruhige Lage prägen das Erscheinungsbild dieses Gewässers. Wanderwege am Ufer sowie der Wasserweg bieten Möglichkeiten für Naturbeobachtungen in direkter Nähe zum Stadtgebiet.

Kanutouren und Wasserweg

Kanutouren auf der Wakenitz ermöglichen den Zugang zu naturnahen Bereichen in unmittelbarer Stadtnähe. In Richtung des Ratzeburger Sees verengt sich der Flusslauf und ist durch Seerosenfelder sowie Erlenbrüche gekennzeichnet. In diesem Bereich sind Sichtungen von Arten wie dem Eisvogel oder dem Fischotter dokumentiert. Aufgrund der geringen Strömungsgeschwindigkeit ist das Gewässer für Anfänger und für Familienausflüge geeignet.

Wander- und Radwege am Ostufer

Am Ostufer der Wakenitz verläuft ein Wander- und Radweg parallel zum Flusslauf. Die Strecke führt durch Waldabschnitte und bietet verschiedene Sichtpunkte auf die Ufervegetation. Im Frühjahr prägen Buschwindröschen den Waldboden, während der herbstliche Laubfall das Erscheinungsbild der Uferzonen verändert. Da der Weg für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt ist, wird er als verkehrsberuhigtes Naherholungsgebiet genutzt.

  • Rothenhusen: Standort eines historischen Fährhauses am Übergang zum Ratzeburger See mit gastronomischem Angebot für Ausflügler.
  • Absalonshorst: Ein ehemaliges Fischergehöft am Flusslauf, das heute als Rastpunkt für Wanderer und Wassersportler dient.
  • Falkenwiese: Ein stadtnaher Zugang zur Wakenitz mit Kanuverleih und einer öffentlichen Badestelle.

Dummersdorfer Ufer: Naturschutzgebiet an der Trave

Das Dummersdorfer Ufer im Norden Lübecks zeichnet sich durch seine landschaftliche Vielfalt aus. In diesem Gebiet grenzt das Steilufer der Trave an seltene Trockenrasenflächen. Während auf dem Fluss der Fährverkehr nach Skandinavien verläuft, bietet das Areal an Land eine ruhige Umgebung für Wanderungen. Von den Wegen aus lässt sich der Blick über die Traveförde bis nach Mecklenburg-Vorpommern nutzen, ohne das Stadtgebiet weit zu verlassen.

Das Steilufer: Aussicht auf die Schifffahrtswege

Die Wege entlang der Kliffkante bieten weitläufige Ausblicke auf die Region. Besucher können von hier aus die Passage großer Schiffe beobachten, die den Hafen von Travemünde ansteuern oder verlassen. Das Wegenetz verläuft sowohl am Ufersaum als auch oberhalb der Abbruchkanten, was verschiedene Perspektiven auf das Fahrwasser ermöglicht. Die Strecke ist aufgrund der Höhenunterschiede und der wechselnden Sichtachsen ganzjährig für Wanderungen geeignet.

Landschaftspflege und Flora

Das Gebiet ist als bedeutendes Naturschutzgebiet in Schleswig-Holstein ausgewiesen. Um die offene Heidelandschaft und den Bestand an seltenen Pflanzen wie Orchideen und Wildkräutern zu sichern, wird das Areal gezielt mit Heidschnucken und Ziegen beweidet. Die örtliche Naturstation koordiniert den Erhalt dieses Ökosystems. Wanderer nutzen hier Wege, auf denen sie regelmäßig den weidenden Tieren begegnen, die einen wesentlichen Teil der biologischen Landschaftspflege übernehmen.

  • Stülper Huk: Ein Aussichtspunkt auf einer Halbinsel, der einen freien Blick über die Trave und den Schiffsverkehr ermöglicht.
  • Naturstation Traveförde: Informationszentrum zur lokalen Ökologie mit Bildungsangeboten zur Tier- und Pflanzenwelt der Region.
  • Wanderpfade: Wege durch das hügelige Gelände, die Einblicke in die Beschaffenheit dieser historischen Kulturlandschaft bieten.

Stadtwald Lauerholz: Die grüne Lunge Lübecks

Das Lauerholz ist weit mehr als nur ein Wald – es ist das historische Gedächtnis der Lübecker Forstwirtschaft und heute der wichtigste Rückzugsort für Erholungssuchende im Nordosten der Stadt. Unter den mächtigen Kronen von Buchen und Eichen herrscht ein ganz eigenes Mikroklima, das selbst an heißen Sommertagen für angenehme Frische sorgt. Wer hier tief in das dichte Grün eintaucht, findet weitverzweigte Wege, die mal über weichen Waldboden, mal vorbei an versteckten Lichtungen führen und die Hektik des Alltags augenblicklich verstummen lassen.

Wildgehege Lauerholz: Begegnung auf Augenhöhe

Mitten im Herzen des Waldes wartet ein besonderes Erlebnis für Familien und Tierfreunde. Das Wildgehege ermöglicht es, Damwild und Wildschweine in einer Umgebung zu beobachten, die ihrem natürlichen Lebensraum so nah wie möglich kommt. Es ist kein klassischer Zoo, sondern ein Teil des Waldes, in dem die Tiere die Hausherren sind. Besonders in den Morgenstunden oder zur Dämmerung ist die Atmosphäre hier fast magisch, wenn das Wild lautlos zwischen den Stämmen hervorzieht. Ein Besuch hier erdet und erinnert daran, wie nah die Wildnis eigentlich an der Hansestadt liegt.

Erholung unter Baumkronen: Waldbaden und Pfade

Das Lauerholz lädt zum „Waldbaden“ ein – einer bewussten Auszeit unter dem Blätterdach, um die Sinne zu schärfen und die würzige Waldluft tief einzuatmen. Die gut ausgeschilderten Wander- und Forstwege eignen sich hervorragend für ausgedehnte Spaziergänge oder sportliche Touren mit dem Rad. Dabei begegnet man immer wieder Zeugen der jahrhundertelangen Geschichte des Stadtwaldes, der Lübeck schon seit dem Mittelalter mit dem kostbaren Rohstoff Holz versorgte. Heute steht jedoch der Erhalt der biologischen Vielfalt im Vordergrund, was man an der urwüchsigen Struktur des Waldes an jeder Ecke spüren kann.

  • Tierpark Kronsforde: Ein kleiner, familiärer Tierpark am südlichen Stadtrand, der als perfekte Ergänzung zum Lauerholz gilt, wenn Sie mit Kindern unterwegs sind und noch mehr Tiere erleben möchten.
  • Israelsdorf: Das malerische Walddorf dient als idealer Ausgangspunkt für Wanderungen, die direkt von der Haustür der historischen Katen ins dichte Grün führen.
  • Grünes Band: Das Lauerholz geht direkt in den ehemaligen Grenzstreifen über – heute eine ökologische Schatzkammer, die Sie zu Fuß oder auf dem Rad bis zur Ostsee erkunden können.

Naturschutzgebiet Schellbruch: Rast- und Brutgebiet für Wasservögel

Der Schellbruch liegt am Unterlauf der Trave in räumlicher Nähe zur Travemünder Allee. Das Naturschutzgebiet setzt sich aus Wasserflächen, Schilfbeständen und Erlenbruchwäldern zusammen. Es dient als bedeutendes Rastgebiet für Zugvögel in der Region. Besucher finden hier eine naturnahe Umgebung vor, die durch die Ruhe der Wasserlandschaft und die Präsenz zahlreicher Vogelarten geprägt ist.

Beobachtungsmöglichkeiten der Artenvielfalt

Aufgrund des Zusammentreffens von Süßwasserteichen und dem Brackwasser der Trave bietet der Schellbruch Lebensraum für vielfältige Wasservogelarten. Zu den hier vorkommenden Arten zählen Graureiher, verschiedene Entenarten sowie Seeadler, die das Gebiet zur Nahrungssuche nutzen. Mehrere Beobachtungspunkte und hölzerne Aussichtsplattformen sind so positioniert, dass Sichtungen möglich sind, ohne die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten zu stören. Die Nutzung eines Fernglases wird für detaillierte Beobachtungen empfohlen.

Wander- und Radwege am Traveufer

Das Wegenetz im Schellbruch ist flach angelegt und führt um Wasserflächen wie den Griebnitzsee herum. Im östlichen Teil des Gebiets verläuft der Weg parallel zur Trave, auf der der Fährverkehr zwischen Lübeck und Skandinavien stattfindet. Diese Lage ermöglicht die gleichzeitige Betrachtung der Schilflandschaften und der gewerblichen Schifffahrt auf dem Fluss. Die Wege sind für Spaziergänge und Radtouren geeignet und lassen sich mit einem Besuch des angrenzenden Fischerdorfes Gothmund kombinieren.

  • Griebnitzsee: Eine zentrale Wasserfläche des Naturschutzgebiets, die als Lebensraum für zahlreiche Wasservögel dient.
  • Aussichtsplattformen: Erhöhte Standorte, die einen Überblick über die Lagunenlandschaft und Teile des Lübecker Hafens bieten.
  • Traveuferweg: Ein Pfad entlang der Wasserkante, von dem aus die Passage der Seeschiffe auf der Trave beobachtet werden kann.

Brodtener Steilufer: Die Urgewalt der Ostsee

Dort, wo das Land auf die offene Ostsee trifft, zeigt die Natur ihre ungezähmte Seite. Das Brodtener Steilufer zwischen Travemünde und Niendorf ist eine sogenannte „aktive Küste“ – das bedeutet, dass sich das Meer jedes Jahr ein Stück des bis zu 20 Meter hohen Kliffs zurückholt. Eine Wanderung entlang dieser Abbruchkante gehört zu den eindrucksvollsten Ausflügen in die Natur, die man in der Region unternehmen kann. Die raue Seeluft, das Tosen der Brandung und der weite Blick über die Lübecker Bucht machen diesen Ort zu einem echten Kraftort für Wanderer und Radfahrer.

Panoramaweg auf der Kliffkante: Freiheit mit Meerblick

Der obere Wanderweg führt Sie direkt an der Kante des Steilufers entlang und bietet Ihnen spektakuläre Ausblicke, die bei klarer Sicht bis weit an die Küste von Mecklenburg-Vorpommern reichen. Während Sie oben wandern, spüren Sie die Urgewalt des Windes, der die Kronen der Bäume über Jahrzehnte in bizarre Formen gebogen hat. Besonders im Frühjahr und Herbst, wenn die Stürme über die Ostsee peitschen, erlebt man hier die Dynamik der Elemente hautnah. Der Weg ist gut ausgebaut und verbindet das maritime Flair von Travemünde mit der beschaulichen Ruhe des Nachbarortes Niendorf.

Schatzsuche am Strand: Fossilien und Hühnergötter

Wer den Abstieg zum Strand wagt, betritt eine ganz andere Welt. Unterhalb der mächtigen Klippen wandern Sie über ein Feld aus Findlingen und umgestürzten Bäumen, die die Ostsee im Laufe der Zeit zu bizarren Skulpturen geschliffen hat. Für Sammler ist dieser Strandabschnitt ein wahres Paradies: Nach stürmischen Nächten werden hier oft „Hühnergötter“ (Feuersteine mit natürlichem Loch), Versteinerungen oder glatt geschliffenes Meeresglas angespült. Es ist die ursprünglichste Form eines Strandspaziergangs, fernab von Strandkörben und Promenadenlärm, bei dem nur der Rhythmus der Wellen den Takt angibt.

  • Erlebnisstation Hermannshöhe: Das traditionsreiche Ausflugslokal oben auf dem Kliff bietet die wohl beste Aussicht für eine Kaffeepause zwischen Wind und Wellen – ein Muss für jeden Wanderer.
  • Uferschwalben-Kolonie: Achten Sie im Frühsommer auf die tausenden kleinen Vögel, die ihre Nester direkt in die steile Sandwand graben – ein quirliges Naturschauspiel, das man aus sicherer Entfernung beobachten kann.
  • Geologischer Lehrpfad: Erfahren Sie auf Schautafeln entlang des Weges mehr über die Entstehung der Steilküste und warum dieser Küstenabschnitt für den Küstenschutz so wichtig ist.
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